Leonce & Lena
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Georg Büchner -

König Peter (Jorit Hopp), Hofstaat (Jana Mattes, Lara Abele, Larissa Rode, Roman Schulte, Nathalie Daibel

„Leonce und Lena“ mit Live – Musik. Eine innovative Inszenierung als Musiktheater
Der international renommierte Pianist Chris Jarrett komponiert und spielt eigens für diese Aufführung – live.

Im 30. Jahr unter der Leitung von B. Blaes bringt die Theater-AG  mehrere Schauspieler-Generationen auf die Bühne für diese einmalige Performance.

  Eine hochwertige DVD zur „Leonce und Lena“-Inszenierung beziehbar:   bert.blaes@gmx.de)

Reflexionen zu einer Inszenierung von „Leonce und Lena“

Ein Stück, dessen Handlung und Personen derart vielschichtig, offen, rätselhaft sind, dass ihnen im Grunde nicht beizukommen ist! Am Ende bleiben wir mit unbeantwortbaren Fragen zurück:

Ist „Leonce und Lena“ ein Märchen, das selbst für Kinder seine Faszination entfaltet? Oder handelt es sich um eine anspruchsvolle Gesellschaftssatire mit tiefschürfenden existentiellen Sinnfragen? Und ist es Büchners Absicht, den Zuschauer in einen Zustand des Hin- und Hergerissen-Seins zu drängen, ihn mit zahllosen Fragen zu konfrontieren, allein zu lassen?...

Zum Beispiel Leonce: Revolutionärer Sympathieträger, da er sich der alternativlosen Vorbestimmtheit seiner gesellschaftlichen Rolle und seines Lebens entgegenstemmen will? Und sei es auch nur, um angesichts des debilen Zustands seines Vaters dem sicher gleichen Schicksal zu entgehen, weil borniertes Machtstreben und Auf-Macht-Beharren immer so enden? Ebenso wie Macht-Ergebenheit und blinde Gefolgschaft, wie wir sie heute beim „eindimensionalen  Menschen“ erleben, der sich von „gelenktem Verbrauch“ und „fremdgesteuerten“ Trends entmündigen lässt (Marcuse): Die Menschen also nur funktionierende Automaten? Und Leonce deshalb sympathisch, weil er sich nach individueller Selbstbestimmtheit und Freiheit sehnt? Ausgerechnet er, der Abkömmling der in Agonie verfallenden herrschenden Unterdrückerklasse, der doch auch die Züge des verwöhnten Muttersöhnchens trägt und sich seine Auflehnung gegen den „goldenen Käfig“ leicht leisten kann? Der selbst die Naturgesetze in Frage stellt und sich in romantischer Schwelgerei und Todessehnsucht ergeht, was gerade sein Begleiter (Harlekin? Narr?) Valerio in zynischer Weise entlarvt („Man kann keinen Kirchturm hinunter springen, ohne sich den Hals zu brechen")? Jener Valerio, der, als Unterschichtangehöriger, eigentlich prädestiniert wäre, revolutionär zu sein, die herrschenden Verhältnisse in Frage zu stellen. Aber gerade der agiert rational-berechnend, blitzgescheit, aber eben doch opportunistisch-egoistisch, nur auf seinen materiellen Vorteil bedacht.

Was soll man mit Lena anfangen, kann sie Leonce überhaupt lieben? Was an ihm ist so anziehend für sie, bei der man nicht weiß, ob sie dem naiv-unschuldigen Menschenbild Rousseau’scher Provenienz entspricht, nicht fähig, die Zwänge der gesellschaftlichen Strukturen oder Machtverhältnisse zu erkennen und daher mit jener elementaren Unschuld und Naivität ausgestattet, um die sie Leonce („Warum muss ich es gerade wissen?“) so beneidet? Das Leben wäre angepasst doch so viel einfacher, bequemer! Ist das der Schlüssel für die Beantwortung der Frage, warum beide am Ende doch auch als funktionierende Automaten enden?

Wenig Märchen und Utopie, stattdessen resignative, fatalistische Welthaltung? Kann denn wirklich niemand seiner Vorbestimmtheit entkommen? Büchner - zerrissen zwischen Realismus und Idealismus.

Das politische Vermächtnis Büchners, seine Mahnung an uns finden wir auch in seiner Schrift „Der Hessische Landbote“: "Hebt die Augen auf und zählt das Häuflein eurer Presser , die nur stark sind durch das Blut, das sie euch aussaugen, und durch eure Arme, die ihr ihnen willenlos leihet. Ihrer sind vielleicht 10.000 im Großherzogtum und eurer sind es 700.000, und also verhält sich die Zahl des Volkes zu seinen Pressern auch im übrigen Deutschland."
Und welchen Genuss bietet - gerade in diesen Tagen - Büchners urkomische  Entlarvung des psychotischen Überwachungstriebs des Staates gegenüber nicht willfährigen Bürgern!...
                                                                                                                                                                             B. Blaes

Büchner / Leonce

Die Rollen

Automaten/Intro

Leonce

Valerio

Lena

Gouvernante

Rosetta

König Peter

Der Hofstaat

Die Polizisten

Leonce & Lena

Automaten/Ende

Ensemble

Der Autor

Der Inhalt

Dramaturgie

Presse